aktuelles Projekt

Leoš Janácek: "Glagolitische Messe" (1926)

Konzerte:
Freitag, 11. Juli 2008 um 20:00
in der Neubaukirche Würzburg
Samstag, 12. Juli 2008 um 20:00
in der Neubaukirche Würzburg
Leoš Janáček schrieb seine "Glagolitische Messe" 1926 im Alter von 72 Jahren. Mit diesem Meisterwerk ist dem Komponist sein Opus summum gelungen. Die Aufführung verlangt neben einem großem Chor und Solisten ein gewaltiges Orchester mit Harfen, Celesta und großer Orgel.

Wie er in einem Feuilleton für die Ausgabe vom 27. November 1927 der Tageszeitung "Lidové noviny" schreibt, wurde er durch das Naturschauspiel eines Gewitterregens in Bad Luhatschowitz zu seiner "Glagolitischen Messe" oder, wie sie im Original heißt, "Msa Glagolskaja", inspiriert:
"Dichter und dichter wird die Dämmerung. Schon blickst Du in dunkle Nacht, Blitze durchschneiden sie. Du entzündest das flackernde elektrische Licht an der hohen Decke. Sonst nichts, als das stille Motiv des verzweifelten Gemüts aus den Worten 'Herr, erbarme Dich' zeichnest Du auf. Sonst nichts als den freudenvollen Aufschrei 'Ehre sei Gott!'. Sonst nichts als den wühlenden Schmerz im Motiv 'Kreuztod erlitten und ward begraben für uns'. Sonst nichts als die Festigkeit des Glaubens und des Gelöbnisses im Motiv 'Ich glaube!'. Und aller Begeisterung und heftigen Gemütsbewegung Ende in den Motiven "Amen! Amen!" und Lobpreisung der Heiligkeit in den Motiven 'Heilig! Hochgelobt sei, Lamm Gottes!'

Neben dem Gewitter war es offensichtlich auch die Erinnerung an die Tausendjahrfeier der Ankunft der slawischen Glaubensapostel Cyrill und Method, an der Janáček als elfjähriger Schüler teilgenommen hatte, die ihn zu dieser festlichen Messe anregte. Ihre Bezeichnung "Glagolitische Messe" verdankt sie der Tatsache, dass Janáček den altslawischen Messtext vertonte. "Ich will den Leuten zeigen, wie man mit dem Herrgott spricht", äußerte der Komponist einmal und von eben diesem Ideengut ist auch diese Meßkomposition erfüllt.

Wenn sie auch den fünf Teilen des Ordinariums der lateinischen Messe folgt, die durch eine orchestrale Einleitung sowie durch zwei instrumentale Schlußstücke - einem Orgelsolo über ein Ostinato-Thema und einer Orchesterintrada - zu einem achtteiligen Opus für vier Soli, Chor und Orchester geweitet werden, so wollte Janáček damit nicht einen weiteren Beitrag zur traditionellen katholischen Messe leisten. Er versteht diesen Meßzyklus aus seiner pantheistischen Grundeinstellung heraus gleichermaßen als Hymnus auf die geistigen Quellen des Slawentums wie als "Verherrlichung des Lebens und der Natur" (Vladimir Hudec).

Folglich charakterisierte der Komponist seine 1927 in Brünn uraufgeführte "Glagolitische Messe" als ein Werk "ohne die Düsternis mittelalterlicher Klosterverliese in den Motiven, ohne den Widerhall der immer gleichen Imitationsgeleise, ohne den Widerhall von Beethovens Pathos, ohne Haydns Verspieltheit", dafür jedoch als mutig-expressive Antithese des Cäcilianismus. Und in einer weiteren Äußerung machte Janáček deutlich, daß seiner Meßvertonung auch ein nationaler Glaube eignet, sagte er doch in einem Interview: "Ich wollte hier den Glauben an die Gewißheit der Nation nicht auf religiöser Grundlage, sondern auf der sittlichen, starken Grundlage festhalten, die Gott zum Zeugen nimmt."