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Gedenkkonzert zum 16. März: John Rutter "Requiem" (1985)

Konzert:
Sonntag, 16. März 2008 um 20:00 Uhr
Augustinerkirche (Würzburg)



Alljährlich am 16. März erinnert Würzburg an seine Zerstörung im Jahr 1945, gedenkt der Getöteten und mahnt zum Frieden. Um 20:00 Uhr singt der Ökumenische Hochschulchor Würzburg das traditionelle Gedenkkonzert in der Augustinerkirche.

Rudolf Mauersbergers Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ wurde in der Karwoche des Jahres 1945 unter dem Eindruck der verheerenden Bombenangriffe auf Dresden komponiert. Das Werk wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, am 4. August 1945 in der ausgebrannten Ruine der Dresdner Kreuzkirche uraufgeführt. Kein anderes Werk des 20. Jahrhunderts ist so direkt auf diese Ereignise bezogen, kaum ein Werk vermag den Hörer so sehr in seinen Bann zu ziehen.

Der spontane Erfolg des 1985 komponierten "Requiem", das Rutter dem Andenken seines Vaters widmete, der im vorausgegangenen Jahr gestorben war und dessen Initialen die Widmung schmücken, kam geradezu einem Wunder gleich. In den ersten sechs Monaten nach seiner Veröffentlichung erlebte das Werk allein in Amerika über fünfhundert Aufführungen.

Das Requiem vermittelt eine von Rutters eigenem Verlust in jener Zeit geprägte Stimmung des Trostes. Das Werk ist in einer Musiksprache gehalten, die der Komponist beschrieb als "eine, die meinem Vater persönlich sehr gefallen hätte". Es bezieht seine Inspiration nicht zuletzt aus Gabriel Faurés 1888 entstandenem Requiem. Mitte der 1980er Jahre studierte Rutter das kurz zuvor wiederentdeckte Manuskript Faurés in der Pariser Bibliotheque Nationale. Als er die kostbaren Partiturseiten mit ihrem Wechselspiel von Soloinstrumental- und Chorpassagen in der Hand hielt, kam ihm die Idee zu einem zeitgenössischen Requiem fernab der gewaltigen, dunklen Klangfarben und dramatischen Rhythmen eines Berlioz, Verdi oder Britten.

Dieses Werk sollte eine persönliche Auswahl aus dem 1662 erschienenen Book of Common Prayer enthalten sowie die von der Liturgie vorgeschriebenen Texte; vor allem aber sollte es ein "Requiem unserer Zeit" sein. John Rutter zitiert nur noch bruchstückweise den traditionellen Text. An Stelle einer den Schrecken des Jüngsten Gerichts ausmalenden Dramatik gibt Rutter den tröstenden Elementen größeren Raum. So lässt er z.B. das "Dies irae" aus, fügt aber den Psalm 23 hinzu. Auch seine Tonsprache wird dem gerecht, indem er dissonant herben Teilen stets weich fließende Melodik folgen lässt.

Eine bogenartige Architektur verleiht dem Requiem eine Balance, eine besondere Geschlossenheit. Der erste und letzte Satz (mit Texten aus der Missa pro defunctis) sind Gebete zu Gott, wobei die Pauken des einleitenden Trauermarschs im "Requiem aeternam" im abschließenden "Lux aeterna" scheinbar abgemildert werden zu einem Herzschlag, der eine langsamere, mystische Rückkehr des Eingangsmaterials begleitet. Die Sätze zwei und sechs sind Psalmen, drei und fünf sind persönliche Gebete zu Jesus Christus und das zentrale Sanctus ist eine Bekräftigung des göttlichen Ruhms.

John Rutter wurde 1945 in London geboren und erhielt seine erste musikalische Ausbildung als Chorsänger an der Highgate School. Er studierte Musik am Clare College in Cambridge, wo er bereits vor seinem Abschluss erste Kompositionen veröffentlichte und erste Plattenaufnahmen machte.

Seine Arbeit als Komponist umfasst sowohl große als auch kleinere Chor-Werke, zahlreiche Orchester- und Instrumentalstücke, ein Klavierkonzert, zwei Kinderopern, Musik für das Fernsehen und Auftragswerke für Gruppen wie Philip Jones Brass Ensemble und die King's Singers.

Seine größeren Chorwerke "Requiem" (1985) und "Magnificat" (1990) sind viele Male in Großbritannien, den USA und einer wachsender Anzahl anderer Länder aufgeführt worden.Von 1975 bis 1979 war John Rutter Musikdirektor am Clare College, dessen Chor er in vielen Sendungen und Aufnahmen dirigierte. Nachdem er seine Position am Clare College aufgegeben hatte, um mehr Zeit für das Komponieren zu haben, formte er die Cambridge Singers zu einem professionellen Kammerchor.Heute teilt er seine Zeit zwischen Chorleitung und Komponieren auf. Er hat Gastleitungen und Vorträge in vielen Konzertsälen, Universitäten, Kirchen, Musikfestivals und Konferenzen in Europa, Skandinavien und in Nordamerika übernommen. 1980 wurde er Ehrenmitglied am Westminster Choir College in Princton und 1988 Mitglied der Kirchenmusikervereinigung.

Video vom Konzertabend: