aktuelles Projekt

Johann Sebastian Bach: "h-Moll-Messe" (1724)

Konzerte:
Freitag, 07. Februar 2003 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg
Samstag, 08. Februar 2003 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg

In der Messe in h-moll (BWV 232) zieht Bach in souveräner Meisterschaft eine Summe der musikalischen Ausdrucksmittel seiner Zeit. In zusammenfassender Rückschau arbeitet er vom gregorianischen Cantus firmus bis hin zu Figuren der zeitgenössischen Oper eine ungeheure Fülle musikalischer Satztechniken in die Faktur seines opus maximum ein.

Das vorliegende Werk ist Bachs einzige vollständige Vertonung des Meßordinariums und blickt im Leben Bachs auf eine lange Entstehungszeit zurück. Bereits 1724 schuf er für den Leipziger Weihnachtsgottesdienst das später in die h-moll Messe übernommene Sanctus. Aufgrund der für Bach immer beengenderen Leipziger Verhältnisse versuchte er mehrfach, Kontakte zu auswärtigen Höfen zu knüpfen. So schuf der Komponist für den Amtsantritt Friedrich Augusts II. bereits 1733 Kyrie und Gloria der späteren h-moll Messe. Mit dieser Missa brevis bewarb er sich um den Titel eines Hof-Compositeurs des katholischen Dresdner Hofes, den er dann auch 1736 erhielt. Obwohl Kyrie und Gloria zusammen der Gattung der Missa brevis, also der zu Bachs Zeit im mitteldeutschen Raum vorherrschenden lutherischen Kurzmesse, angehören, können sie mit ihrer Unterteilung in immerhin zwölf Sätze schwerlich als kurz apostrophiert werden. Der Anlaß der Vervollständigung der Missa brevis zur vollständigen Meßvertonung einer Missa tota bis 1749 ist nicht bekannt, doch steht sie im Einklang mit der in Bachs letztem Lebensjahrzehnt zunehmend zu beobachtenden Tendenz zum Zusammenstellen komplexer Gruppen von Werken vorbildlichen und normativen Charakters, die der Komponist als exemplarisch für sein Schaffen ansah.

So entstanden in dieser Zeit neben der h-moll Messe das Musikalische Opfer, die Goldberg-Variationen, Kanonische Veränderungen über "Vom Himmel hoch" und die Kunst der Fuge, Gipfelpunkte also der abendländischen Musik überhaupt. Die Messe in h-moll, enthusiastisch als "größtes musikalisches Kunstwerk aller Zeiten und Völker" bezeichnet, und von der deutschen Romantik der Beethovenschen Missa solemnis als barockes Pendant zur Seite gestellt, erfuhr ihre erste nachweisbare Aufführung nach langer Vergessenheit erst 1835 in Berlin und wurde sofort begeistert aufgenommen. Sie wendet sich in ihrem universalen, überkonfessionellen Anspruch an alle Menschen und steht dabei als künstlerisches und geistliches Vermächtnis ihres Schöpfers auch 250 Jahre nach dessen Tod da als ein rätselhaftes und unergründliches Mahnmal tiefsten christlichen Glaubens.