aktuelles Projekt

Gabriel Fauré: "Requiem op. 48" (1888)

Konzert:

in der Neubaukirche Würzburg


Gabriel Urbain Fauré wurde am 12. Mai 1845 in Pamiers (Ariége) geboren. Im Alter von neun Jahren kam er aus seiner südfranzösischen Heimat nach Paris. Dort besuchte er die nach ihrem Gründer benannte École Niedermeyer - ein in Frankreich damals einzigartiges Internat für zukünftige Kirchenmusiker - wo er Schüler von Camille Saint-Saens war.
1866 trat er seine erste Stelle als Organist in Rennes an, 1877 wurde er Kapellmeister an der Église de la Madeleine in Paris. In der gleichen Kirche avancierte der 51-jährige Fauré 1896 vom Chorleiter zum Organisten und übernahm am Conservatoire in Paris die Kompositionsklasse von Jules Massenet. Aus Faurés Kompositionsklasse stammen bedeutende Komponisten wie Maurice Ravel, Charles Koechlin, Florent Schmitt, George Enescu und Nadja Boulanger. Im Jahr 1905 wurde Fauré Leiter des Conservatoire. Nachdem er bereits Jahre zuvor ertaubt und zuletzt auch noch erblindet war, starb er am 4. November 1924.
Gabriel Fauré gehört zu den wichtigsten Komponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Requiem ist nicht nur sein populärstes Werk, sondern inzwischen auch einer der am häufigsten aufgeführten Gattungsbeiträge. Die zentrale Aussage des Werkes findet sich in den Worten "Requiem aeternam" und "Dona eis requiem", die in fünf von sieben Sätzen immer wiederkehren und im musikalischen Satz plastisch hervorgehoben sind. Auch wenn Faurés Requiem heute häufig im Konzertsaal zu hören ist, war es doch ursprünglich für den liturgischen Gebrauch gedacht.
Obwohl das Werk zwischen dem Tod seines Vaters (1885) und dem seiner Mutter (1888) entstanden ist, war diese Zeit der Trauer nicht der Anlaß für die Komposition. Fauré schrieb an Maurice Emmanuel sogar ausdrücklich: "Mein Requiem wurde ohne Grund geschrieben ... zum Vergnügen, wenn ich so sagen darf!"
Die erste Fassung entstand in weniger als drei Monaten von November 1887 bis Anfang Januar 1888. Sie enthielt fünf Stücke: Introitus mit Kyrie, Pie Jesu, Sanctus, Agnus Dei und In paradisum. Eine erste Aufführung des Requiems fand am 16. Januar 1888 in der Église de la Madeleine während eines mittäglichen Trauergottesdienstes statt. Damals wurde es von einem kleinen, aus Bratschen, Violoncelli, Kontrabässen, Harfe, Pauken und Orgel bestehenden Orchester begleitet.
Das Offertorium wurde in zwei Etappen komponiert: Das Bariton-Solo "Hostias" wurde 1889 fertiggestellt, während der Chor "O Domine", der es umrahmt, wahrscheinlich einige Jahre später entstanden ist. Das "Libera me" wurde 1892 beendet.
Während dieser langen Entstehungszeit kam es zu weiteren Aufführungen, die zumeist in der Église de la Madeleine stattfanden. Die Orchesterbesetzung änderte sich von Aufführung zu Aufführung, je nach den vorhandenen Mitteln. Zwar wollte Fauré sein Requiem in der ursprünglichen Fassung für Kammerorchester veröffentlicht sehen, doch willigte er unter dem Druck seines Verlegers Hamelles in die Umarbeitung für Symphonieorchester ein, von der man sich mehr Aufführungen erhoffte. Erst vor einigen Jahren war es möglich, die originale Version von 1893, die im Konzert des ÖHC zu hören war, zu rekonstruieren.
Die Einstellung des Komponisten selbst zu seinem Werk geht aus folgender Aussage aus dem Jahre 1902 hervor: "Mein Requiem ... drücke nicht den Schrecken des Todes aus, sagte man mir, jemand nannte es vielmehr ein Wiegenlied des Todes. So sehe ich den Tod: als eine freudvolle Erlösung, eine Erwartung von Glückseligkeit jenseits des Grabes, nicht als eine schmerzvolle Erfahrung".

Der Name "Requiem" leitet sich von den Anfangsworten des vertonten Textes der katholischen Totenmesse ab: "Requiem aeternam dona eis domine". Andere Bezeichnungen für diese musikalische Gattung sind die Begriffe "Missa pro defunctis" (lat. "Messe für Verstorbene"), "Messa da requiem" (ital.) oder "Messe des morts" (franz. "Totenmesse").
Die älteste erhaltene Requiemsvertonung ist aus dem Jahre 1493 und stammt von Johannes Ockeghem. 1591 veröffentlichte G. P. da Palestrina seine "Missa pro defunctis", in die er nur die Ordinariumsteile (Gottesdienstteile, die immer im gleichen Wortlaut erklingen: Kyrie, Sanctus, Agnus Dei) und das Offertorium "Domine Jesu Christe" einbezog.
In Gabriel Faurés Komposition erscheint zusätzlich der Introitus "Requiem aeternam", der letzte Vers der Sequenz "Dies irae", die Communio "Lux aeterna", das Responsorium "Libera me" und das Geleitwort "In paradisum", wie in folgender Übersicht zu sehen ist:

Introitus "Requiem aeternam" Fauré  
Kyrie Fauré Palestrina
Sequenz "Dies irae" Fauré
(Nur letzter Vers "Pie Jesu Domine")
Offertorium "Domine Jesu Christe" Fauré Palestrina
Sanctus Fauré Palestrina
Agnus Dei Fauré Palestrina
Communio "Lux aeterna" Fauré  
Responsorium "Libera me" Fauré  
Geleitwort "In paradisum"

Fauré