aktuelles Projekt

Georg Friedrich Händel: "Messiah" (1741)

Konzerte:
Sonntag, 04. Februar 2001 um 17:00 Uhr
Stadtpfarrkirche (Hassfurt)
Samstag, 03. Februar 2001 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg

Am 22. August 1741 begann Händel mit der Komposition des "Messias" und vollendete ihn bereits am 12. September. Die Uraufführung erlebte das Oratorium im April 1742 in Dublin unter der Leitung des Komponisten.
Am 15. April 1772, fast auf den Tag 30 Jahre später und 13 Jahre nach Händels Tod, fand die deutsche Erstaufführung in Hamburg statt - in englischer Sprache und mit einem englischen Dirigenten.
Drei Jahre später dirigierte Carl Philipp Emanuel Bach - wiederum in Hamburg - die erste deutschsprachige Fassung von Klopstock und Ebeling. Diese hörte wohl der Dichter Johann Heinrich Voß. Begeistert, ergriffen und überwältigt berichtet er davon:
"Vorigen Sonntag fuhr ich mit Claudius nach Hamburg, um Händels 'Messias' anzuhören ...o Himmel! welche Musik. Es sind lauter biblische Sprüche vom Messias, die Händel nach der Folge der Geschichte geordnet und in Musik gesetzt hat ... nichts kam an die Chöre ... ich hätte durch die Wolken fliegen mögen.
Besonders der Chor: 'Uns ist ein Kind zum Heil geboren!' hat einen Schwung, den ich der Musik nie zugetraut habe ... die größte Freude in vier Stimmen ausgedrückt ... wo immer eine durch die andere entzündet zu werden scheint, und noch lebhafter und noch jauchzender die fröhliche Botschaft ausruft: 'Uns ist ein Kind geboren!'
Dann fugenweise: 'Welche Herrschaft liegt auf seiner Schulter'; und nun ein paar Stimmen ganz mäßig: 'Und sein Name wird genennet'. Drauf alle Stimmen mit Donnerton: 'Wunderbar!' Die Instrumente donnern nach. Noch lauter: 'Herrlichkeit!' Die Musik steigt ebenso. Aber nun, als ob Blitz und Schlag zugleich käme, mit dem höchsten Ausdruck, der auf Erden möglich ist: 'Allmächtiger Gott!' daß man zusammenfährt und hinsinken will vor der Gegenwart des Hocherhabenen.
Der Donner der Stimmen und Instrumente dauert noch fort bei: 'der Ewigkeiten Vater!' und dann verliert er sich in ein stilles fernes Gemurmel, wenn der Rest über die Donnergegend dahersäuselt! 'Friedefürst!' Hierauf wieder mit der Stimme des Entzückens vom Anfang: 'Uns ist ein Kind zum Heil geboren' ... ich hätte 24 Stunden ohne Essen und Trinken dastehen und mir bloß den Chor vorspielen mögen ... O Händel! Händel! wer ist unter den Sängern der Erde, der gleich dir, kühnen Flugs, Zaubereien tönt!"

Das Oratorium "Der Messias" von Georg Friedrich Händel besteht aus drei Teilen. Der erste Teil schildert mit Texten vorwiegend des Alten Testaments die Verheißung von Christi Geburt. Er beginnt mit der Tröstung der Wartenden und endet mit der Geburt Christi.
Die Ouvertüre zeigt die Stimmung der Zeit, ehe der Messiasgedanke auf die Welt kam. Ihrem dunklen Ende in e-moll steht der milde E-Dur-Satz mit den tröstenden Worten des Propheten Jesaja entgegen. In einer Art Vision sieht der Prophet das Ende der Not kommen. Gott wird sein Volk Israel durch die Wüste in die Heimat Jerusalem führen. Es ist die Stimme Johannes des Täufers, der von Gott als Bote gesandt dem nahen Herrn den Weg bereitet. Nach dessen Ruf "Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet in der Wüste einen Pfad für unseren Gott" beginnt es sich zu regen: Die Welt macht sich zum Empfange bereit, die Natur selbst legt ein Feiertagskleid an - Täler werden ausgefüllt und die Berge abgetragen. Der jetzt folgende Chor "Und die Herrlichkeit Gottes des Herrn wird offenbart" gibt der Freude Ausdruck, mit welcher die Völkermassen die Botschaft der Ankunft des Herrn entgegennehmen.
Mit dem Baß-Accompagnato "So spricht der Herr" setzt die ernstere Seite der Adventszeit ein. Die Menschheit wird gemahnt, sich der Ankunft des Messias würdig zu erweisen und Buße zu tun. Es entstehen düstere und erschreckende Bilder vom Toben und Donnern des Meeres und der Erde, die die Ankunft Christi am Jüngsten Tag begleiten werden. Die Alt-Arie steht noch unter dem Banne des Schreckens und der Furcht, welche die donnernde Stimme erregt hat. Beklommen wird gefragt: "Doch wer kann bestehen am Tag seiner Ankunft?" und dann schlägt das Tempo in ein Prestissimo um, die Geigen zischen und brausen. Wie eine Feuerflut wälzen sich diese Klänge dahin. In der Phantasie entsteht ein Bild aus der heiligen Schrift: "In Flammen naht sich Gott" - oder wie Händels Text lautet: "Er ist wie eines Läuterers Feuer". Der anschließende Chor "Und er wird die Söhne Levis reinigen" zeigt das Bildes eines Gottes, der im Feuer über die Erde fährt, um die Menschheit zu läutern.
Erst jetzt wird der Schauplatz der Ankunft des Herrn betreten: "Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären". Das folgende Accompagnato zeichnet das Bild der Nacht, in welcher die Völker wandeln. Doch dann durchbricht ein Licht die Dunkelheit und "der Herr wird über dir aufgehen". Dann setzt die Arie ein, um noch einmal das Bild von der Nacht, die mit dem Tage streitet, vorzuführen. Von immer neuen Punkten beginnt die Wanderung des Volkes im Dunkeln; immer wieder sehen sie das "große Licht" - ein Symbol für den verheißenen Messias. Mit dem folgenden Chor "Denn es ist uns ein Kind geboren" gibt Händel der vormessianischen Zeit, deren Charakter von Hoffen und Bangen geprägt war, einen mächtigen Freudenschluß.
Nachdem die Geburt des Herrn in ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung gefeiert worden ist, kehrt Händel nochmals zur heiligen Nacht zurück: Die Pifa, eine liebliche Hirtenmusik bringt uns an den Schauplatz der Handlung. Der Sopran schildert die Szenerie: "Es waren Hirten beisammen auf dem Felde, die hüteten des Nachts ihre Herde." Es folgt die Erscheinung des Engels, der die frohe Botschaft überbringt "Und siehe der Engel des Herrn trat zu ihnen...und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht...denn euch ist heute...der Heiland geboren". Im folgenden Accompagnato "Und alsbald war bei dem Engel eine Menge der Himmlischen Heerscharen" kommt ein Engelschor - mit flatternden Bewegungen gemalt - auf die Erde: Sie "lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden". Im Nachspiel erlischt die Musik - die Engel entfliehen.
Die Lebens- und Lehrzeit Jesu wird nur sehr kurz behandelt. Christi Wundertaten auf der Erde erscheinen in einem kurzen Rezitativ: "Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird singen". Es folgt das Bild vom guten Hirten, der seine Lämmer auf den Armen trägt. Im Mittelteil der Arie "Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte" ruft die Johannesstimme "Nehmt auf euch sein Joch und lernt von ihm", worauf der Chor antwortet: " Sein Joch ist sanft und seine Last ist leicht". Der zweite Teil des Messias stellt die Leidensgeschichte Christi dar und vollendet sich mit seiner Auferstehung. Händel führt uns vor das Kreuz mit dem Chor "Seht an das Gotteslamm". Auf dieses Bild des Gekreuzigten ist die ganze Passion zusammengedrängt. An den leidenden und sterbenden Heiland führt uns die Alt-Arie "Er ward verschmähet" näher heran. Der stechende Sekundakkord bei dem Wort "Qual" läßt die Schmerzen spüren, die der Messias für uns gelitten hat. Der Mittelsatz zeichnet die Geißelung Christi - jeder Akkord ein Rutenschlag. Der Rhythmus der Geißelungsszene wird im folgenden Chor "Wahrlich, er duldete unsere Qualen" noch wuchtiger weitergeführt.
Es folgt die Doppelfuge "Und durch seine Wunden werden wir geheilt", worauf wieder das Bild vom guten Hirten und seiner Herde aufgestellt wird "Wie Schafe gingen wir alle in die Irre". Am Ende wird beklagt, daß dieser gute Hirte die Sünden der ganzen Menschheit auf sich hat nehmen müssen. Dieser Gedanke leitet nach Golgotha zurück. Die Violinen beginnen, mit dem Rhythmus der Geißelung, das kurze Tenoraccompagnato "Alle, die ihn sahen, lachen ihn aus, sie sperren ihre Mäuler auf und schütteln die Köpfe". Sowohl das Hohngelächter als auch das Kopfschütteln der Volksmenge, welche sich an dem Leiden des Messias weidet, sind lautmalerisch in der Instrumentalbegleitung nachgezeichnet. Nun bricht die Menge mit dem Spottchor "Er vertraute auf Gott, daß der ihn erretten würde" los.
Das Sterben des Heilands ist in zwei kurzen Tenornummern zusammengedrängt. Im Accompagnato "Diese Schmach brach ihm sein Herz, er ist voll von Traurigkeit" läßt die ungewöhnliche Harmonisierung das Wanken, die Ratlosigkeit, die Enttäuschung und die Verlassenheit des Erlösers spüren. Darauf folgt das Arioso "Schaut doch und seht, ob da irgendein Schmerz sei wie sein Schmerz". Als Händels Musik wieder erwacht, ist das grausige Schauspiel vorbei und das Geschehene wird beschrieben: "Er wurde aus dem Land der Lebenden weggerissen, für die Missetat deines Volkes wurde er geschlagen". Es folgen Ostern und die Auferstehung, beginnend mit der Arie "Doch du ließest seine Seele nicht in der Hölle". Gott nimmt seinen Sohn im Himmel auf. Die anschließenden Chöre "Hebt euer Haupt und öffnet das Tor der ewigen Stadt, daß der König der Ehren einziehe", und die kurze Doppelfuge "Laßt alle Engel Gottes ihn anbeten" sind voneinander nur durch ein kurzes Rezitativ getrennt.
Nun beginnt die Schilderung von der Ausbreitung des Christentums, von Missionierung, Kampf und Sieg. Der Sopran singt "Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkünden" schildert den Auszug der Apostel, worauf der Chor einstimmt "Ihr Schall ist ausgegangen in alle Lande". Die Schilderung des Kampfes, den das Christentum zu bestehen hatte, illustriert die Baß-Arie "Warum rasen die Völker so wütend" in erschreckender Wildheit. Die Macht Gottes kommt in den nächsten Nummern des Tenors zum Ausdruck "Der, welcher im Himmel wohnt, wird sie verlachen". Die Arie "Du wirst sie zerschlagen mit einem Stab aus Eisen" zeichnet ein Bild jenes göttlichen Zorns, der unerbittlich trifft und vernichtet. Das berühmte "Halleluja" mit Worten aus der Offenbarung bekräftigt den Sieg des Christentums. Der dritte Teil des Messias umschließt als Schlußbetrachtung die Erkenntnis der Erlösung: "Christus lebt, durch ihn auch ich". Durch seinen Tod ist dem Tod die Macht genommen, durch seine Auferstehung auch uns ein ewiges Leben geschenkt worden! Alle Schrecken des Todes und des jüngsten Gerichts vermögen der von diesem Erlösungsgedanken erfüllten Seele nichts anzuhaben.
Der Sopran singt in christlicher Zuversicht und Hingebung "Ich weiß, daß mein Erlöser lebt ... Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten, der Erstgeborene jener, die schlafen". Der Chor bekräftigt den in der Arie ausgesprochenen Gedanken - die Auferstehung der Toten und die Erlösung von Adams Fall - mit neuen Worten.
Nach dem Accompagnato "Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: wir werden nicht entschlafen, sondern wir werden alle verwandelt werden" folgt die Baßarie "Die Posaune wird ertönen, und die Toten werden unverwest auferstehen, und wir werden verwandelt werden". Diese schildert das Jüngste Gericht als einen Tag der Freude, da die Toten erwachen und zur Unsterblichkeit verklärt werden.
Das Rezitativ "Dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Der Tod ist verschlungen in den Sieg" schildert den Sieg über Tod und Sünde. Darauf folgt der Schlußchor mit der Verherrlichung des Opferlamms "Würdig ist das Lamm, das erschlagen wurde und uns losgekauft hat bei Gott durch sein Blut...Segen und Ehre, Ruhm und Stärke gebührt ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm, auf immer und ewig", welcher mit einer von sieghafter Glaubensgewißheit getragenen Amenfuge beschlossen wird.