aktuelles Projekt

Felix Mendelssohn-Bartholdy: "Hör mein Bitten" (1844 )

Konzerte:
Sonntag, 27. Februar 2000 um 20:00 Uhr
Stadtpfarrkirche (Hassfurt)
Samstag, 26. Februar 2000 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg
Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)

Hör mein Bitten
für Solosopran, Chor und Orchester

Motetten op. 69
Herr nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren op. 69/1
Jauchzet dem Herrn alle Welt op. 69/2

Orgelsonate VI
("Vater-unser-Sonate")

Salve Regina
für Solosopran und Orchester

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) ist einer der führenden Musiker der europäischen Romantik des frühen 19. Jahrhunderts. Er wurde am 3. Februar 1809 in Hamburg als Enkel des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn geboren. Sein Vater trat zum Protestantismus über und änderte den Familiennamen in Mendelssohn-Bartholdy.
Felix Mendelssohn-Bartholdy trat erstmals im Alter von neun Jahren als Pianist vor die Öffentlichkeit. Mit elf Jahren spielte er seine ersten eigenen Kompositionen. Das wiederauflebende Interesse an den Werken von Johann Sebastian Bach war Felix Mendelssohn-Bartholdy zu verdanken, der 1829 die erste Wiederaufführung von Bachs Matthäuspassion nach dessen Tod dirigierte.
Mendelssohn-Bartholdy trat als Pianist und Dirigent in ganz Europa auf und unternahm häufige Reisen u. a. nach England, wo ihm Königin Victoria und Prinz Albert besonders zugetan waren. Im Anschluss an diese Reisen war er 1833 bis 1835 Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf, ab 1835 Kapellmeister des Gewandhausorchesters in Leipzig und ab 1841 Generalmusikdirektor von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. 1842 wirkte er bei der Gründung des Leipziger Konservatoriums mit. Infolge des Todes seiner Schwester Fanny Hensel erlitt er einen Zusammenbruch und starb einige Monate darauf am 4. November 1847 in Leipzig.

Die Hymne "Hör mein Bitten" fand in England besondere Verbreitung. Sie entstand 1844 nach einer englischen Paraphrase des 55. Psalms von William Bertholomew, der auch den Text des Elias übersetzte. Die originale Bibelstelle lautet folgendermaßen:
Vernimm, o Gott, mein Beten;
     verbirg dich nicht vor meinem Flehen!
Achte auf mich, und erhöre mich!
     Unstet schweife ich umher und klage.
Das Geschrei der Feinde macht mich verstört;
     mir ist Angst, weil mich die Frevler bedrängen.
Sie überhäufen mich mit Unheil
     und befehden mich voller Grimm.
Mir bebt das Herz in der Brust;
     mich überfielen die Schrecken des Todes.
Furcht und Zittern erfassten mich;
     ich schauderte vor Entsetzen.
Da dachte ich: "Hätte ich doch Flügel wie eine Taube,
     dann flöge ich davon und käme zur Ruhe."
Weit fort möchte ich fliehen,
     die Nacht verbringen in der Wüste.
An einen sicheren Ort möchte ich eilen
     vor dem Wetter, vor dem tobenden Sturm.

Nachdem 1845 die erste Fassung für Sopran und Chor mit Orgel erschien, arbeitete Mendelssohn den Orgelpart für Orchester um. Beide Rahmenteile werden vom Sopransolo eröffnet, während der Chor erst später einfällt. Dazwischen steht ein knappes Rezitativ, das chorisch aufgefüllt wird.

Einen besonderen Rang in Mendelssohns Schaffensphase nehmen die Motetten op.69 ein, da sie als letzte Chorwerke vor seinem Tod 1847 entstanden. "Herr, nun lässest du deinen Diener" ist der Lobgesang Simeons, der in Lukas 2, 29-32 beschrieben wird:
In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbart werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.


Die Textgrundlage von "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" bildet der Psalm 100 "Lobgesang des Volkes beim Einzug ins Heiligtum":
Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde!
Dient dem Herrn mit Freude!
Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
Erkennt: Der Herr allein ist Gott.
Er hat uns geschaffen, wir sind sein Eigentum,
sein Volk und die Herde seiner Weide.
Tretet mit Dank durch seine Tore ein!
Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines
Tempels! Dankt ihm, preist seinen Namen!
Denn der Herr ist gütig, ewig währt seine Huld,
von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.

In einem strahlenden A-Dur-Satz wird Gott gepriesen. Vor der Doxologie, die sich bis zur achtstimmigen Klangpracht entfaltet, erfolgt eine überraschende mediantische Rückung nach F-Dur.

Die Variationsfolge über den Choral "Vater unser im Himmelreich", die auch zu Beginn in Form einer Gemeindebegleitung vorgestellt wird, stellt den Mittelpunkt der sechsten Orgelsonate dar. Nach einem Trio und einem vollstimmigen Abschnitt mit virtuosen Pedalläufen, wobei die Hauptmelodie jeweils in der Oberstimme zu finden ist, schließt sich eine Durchführung des Chorals im Tenor an. Darauf folgen explosive Akkordkaskaden, unter denen der Choral als Bassthema erstrahlt. Bis zum Ende, das in Erinnerung an den Anfang homophon erscheint, ist der Choral fortwährend in Ober- oder Unterstimme präsent. Mit einer kantabel geführten Fuge und einem weichen überirdischen D-Dur-Finale verklingt das Werk.

Die marianische Antiphon "Salve Regina" stammt aus dem Mittelalter und hat ihren Platz im Stundengebet. Zunächst als Antiphon zum Magnificat, dann auch als selbständige Antiphon am Schluss der Komplet gesungen, erfreute sie sich im 15. und 16. Jahrhundert zunehmender Beliebtheit. Auch die Reformation, die sich gegen die Überbetonung des Marienkults wandte, wollte auf die im Volke beliebte Antiphon nicht verzichten und nahm sie verändert und christlich korrigiert in die Gesangbücher auf. Es ist erstaunlich, wie einfühlsam der erst Fünfzehnjährige die mittelalterlichen Verse interpretierte.