aktuelles Projekt

Schütz, Bach, Händel, Brahms

Konzerte:
Sonntag, 26. Juli 1999 um 20:00 Uhr
Stadtpfarrkirche (Haßfurt)
Samstag, 25. Juli 1999 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg
Johann Sebastian Bach
(1685-1750)  Kantate Nr. 33
"Allein zu dir, Herr Jesu Christ"
für Alt-, Tenor-, Baß- Solo, Chor und Orchester
 
Johannes Brahms
(1833-1897) Choralmotette op.29/1
"Es ist das Heil uns kommen her"
für Chor a cappella
 
Heinrich Schütz
(1585-1672) "Die mit Tränen säen"
Psalm 126
für Chor a cappella
 
Georg Friedrich Händel
(1685-1759) Orgelkonzert op.4 Nr.5, F-dur
"Utrechter Jubilate"
Psalm 100
für Alt-, Tenor-, Baß- Solo, Chor und Orchester 

Johann Sebastian Bachs Kantate Nr. 33 zum 13. Sonntag nach Trinitatis "Allein zu dir, Herr Jesu Christ" wie auch die Motette "Es ist das Heil uns kommen her" von Johannes Brahms beschreiben Jesus Christus als Erlöser der Menschheit. Bei Bach stehen die Bitte um Vergebung, sowie Hoffnung und Vertrauen auf Trost und Rettung durch Christus im Vordergrund, was schon der einleitende Choral verdeutlicht. Auch in den folgenden Abschnitten wird das Elend der Sünder und im Gegensatz dazu Gottes Barmherzigkeit und Gnade geschildert. Bach setzt diesen Text mit vielfältigen musikalischen Mitteln und "rhetorischen Figuren" in Töne: z.B. unterstreichen Seufzerfiguren und verminderte Akkorde die Seelennot des Menschen, der Fis-dur-Akkord (bei dem ja jede Note mit einem Kreuz erhöht wird !) stellt seine übergroße Sünde dar. In der Alt-Arie hört man deutlich die "schwankenden Schritte" in den gedämpften ersten Violinen. Ebenso wird auch die Nächstenliebe musikalisch umgesetzt, Bach führt dazu im Duett zwischen Tenor und Baß die Stimmen häufig in parallelen Sexten oder versinnbildlicht das Stören der Feinde durch das sogenannte Teufelsintervall, den Tritonus.

Ähnlich wie die Kantate beginnt auch Brahms' Motette mit einem einleitenden Choral, der hier aber zur Grundlage der ganzen Komposition wird. Die Choralmelodie dient im zweiten Teil als Thema, das zeilenweise von allen Stimmen imitiert wird, während der erste Baß als cantus firmus den Choral wörtlich zitiert. Brahms zeigt sich hier in der Tradition des Motettenstils, wie ihn schon die Komponisten in Renaissance und Barock pflegten. Auch thematisch wird hier mit dem Vers von Paul Speratus in Anlehnung an einen Paulusbrief an Lutherisches Gedankengut angeknüpft. So wird betont, daß der Mensch in seinem Tun und Handeln machtlos ist und allein durch die Gnade Gottes Heil erlangen kann. Dies soll geschehen im Glauben an Jesus Christus, der uns durch den Kreuzestod erlöst hat.

Die Worte des Psalms 126 "Die mit Tränen säen" (aus der "Geistlichen Chormusik" von 1648) müssen in der Vertonung von Heinrich Schütz vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges gesehen werden, im Vordergrund steht hier die Hoffnung auf zukünftiges Wohlergehen für die Menschheit (wahrscheinlich im geistigen wie auch im materiellen Sinn). Schütz, der bei der Komposition seiner Werke (wie z.B. in den "Kleinen Geistlichen Konzerten") Wert auf die personellen Möglichkeiten für die Aufführung Wert gelegt, und die verschiedensten Besetzungen berücksichtigt hat, brachte mit seinen Zeitgenossen zusammen die stilistischen Neuerungen der modernen italienischen Musik wie Mehrchörigkeit, Betonung der musikalischen Affekte und dem konzertanten Stil der Instrumentalmusik nach Deutschland. In dieser Motette wird dies einerseits deutlich durch den geteilten Sopran (Mehrchörigkeit!), andererseits durch die genaue Textausdeutung ("Freude" im Dreiertakt, "Weinen" mit Seufzermotiven usw.).

Georg Friedrich Händel erhielt 1713 von der Englischen Königin den Auftrag, für den Festgottesdienst anläßlich der Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges und des Friedens- schlusses von Utrecht, ein "Te deum" zu komponieren. Wohl als Ergänzung dazu vertonte er auch die Worte des 100. Psalms unter dem Titel "Jubilate". Beide Werke wurden am 7. Juli 1713 in der Londoner St. Pauls-Cathedral uraufgeführt. Auch bei späteren Gelegenheiten gelangten die Stücke zusam-men zur Aufführung. In unserer Interpretation ist dem "Jubilate" eine Instrumentalouvertüre vorangestellt, die Händel für die dreistimmige Fassung dieses Werkes, die er für die Kapelle des Herzogs James Chandon schrieb, komponierte. Bemerkenswert ist, daß Händel für dieses Werk auf eine frühere Vertonung, ein 1707 in Rom geschriebenes "Laudate pueri", zurückgreift, die als Vorlage für Teile des "Jubilate" dient und dem neuen Stück entsprechen umgearbeitet wird. Mancher Melodieabschnitt erinnert auch an die in der anglikanischen Kirche gebräuchlichen Choräle, wie sie z.B. auch bei Henry Purcell verwendet werden. Somit steht diese Komposition ebenso in der Tradition der englischen Kirchenmusik, als sie auch die prachtvolle, hochbarocke Klangfülle der typisch Händelschen (Oratorien-) Musik ausschöpft, wie dies besonders im achtstimmigen "Glory be to the Father" (Nr. 7) geschieht. Das Orgelkonzert op.4 Nr. 5 ist Händels eigene Übertragung seiner Flötensonate op.1 Nr.11. Händels Orgelkonzerte sind vor allem gedacht als brillante, virtuose Stücke, die oft auch die Anweisung zur freien Improvisation in der Solostimme enthalten. So sind diese Orgelkonzerte in erster Linie für Händels eigenen Gebrauch geschrieben; Gelegenheiten zur Aufführung solcher eher kammermusikalisch angelegten und weniger kirchlich-sakral gedachten Werke boten insbesondere die eigenständigen Zwischenaktmusiken der Händelschen Opern und Oratorien.