aktuelles Projekt

Carl Heinrich Graun: "Der Tod Jesu" (1755 )

Konzerte:
Sonntag, 23. Februar 1999 um 20:00 Uhr
Stadtpfarrkirche (Karlstadt)
Samstag, 22. Februar 1999 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg
Der Komponist: Carl Heinrich Graun (um 1703-1759)

Leben

C.H. Graun wurde 1703 oder 1704 als Bruder von Johann Gottlieb Graun in Wahrenbrück geboren. Er besuchte von 1714 bis 1721 die Kreuzschule in Dresden und wurde dort neben dem Musikunterricht zum Tenoristen ausgebildet, so daß er 1725 als Opernsänger nach Braunschweig gehen konnte. Im Jahr 1727 war er bereits Vizekapellmeister der Oper; 1735 wurde er an den Hof des nachmaligen Königs Friedrichs II. berufen, der ihn 1740 zum Hofkapellmeister und Leiter der Königlichen Oper in Berlin bestellte. Er starb am 8.8.1759 in Berlin.

Werke

An Instrumentalmusik schuf C. H. Graun ungefähr 100 Triosonaten, 30 Cembalokonzerte, einige Flötenkonzerte für König Friedrich II., ein Hornkonzert, ein Concerto grosso, 2 Orchestermärsche und Gelegenheitsstücke.
Seine Stärke lag jedoch in der Vokalmusik. Neben über 33 Opern für Braunschweig und Berlin verfaßte er die Passionskantate »Der Tod Jesu«, die bis 1884 alljährlich am Karfreitag in Berlin gegeben wurde, ein Te Deum anläßlich des Sieges Friedrichs des Großen bei Prag (1757), 3 weitere Passionskantaten, 3 Trauermusiken, 27 Kirchenkantaten, mehrere Messen, ein weiteres achtstimmiges Te Deum und einige Motetten. Ausßerdem schrieb er etwa 100 weltliche Kantaten und »außerlesene Oden« auf Texte deutscher Dichter und schließlich eine Anzahl Lieder, mit denen er seinen Beitrag zur Begründung der »Berliner Liederschule« leistete; sie wurden in verschiedenen Sammlungen aufgenommen. Seine vierstimmige Vertonung des Textes von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 bis 1803), »Auferstehen, ja auferstehen«, fand weite Verbreitung.

Hintergrundinformationen zum Oratorium »Der Tod Jesu«

Der »Tod Jesu« von Karl Wilhelm Ramler (Text) und Carl Heinrich Graun (Musik), dessen Uraufführung im Jahre 1755 in Berlin stattfand, war bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus außergewöhnlich populär. Seine damalige Stellung als vielerorts beliebteste Karfreitagsmusik wird zu Recht mit der von J. S. Bachs »Matthäuspassion« verglichen, die diese nach ihrer Wiederentdeckung (1829) allmählich immer mehr einnahm. Keine andere Passionskantate, kein anderes Passionsoratorium konnte im protestantischen Deutschland jemals eine gleiche Bedeutung erlangen.

Besonderes Interesse fand die Kantate an ihrem Entstehungsort, in Berlin. Berichte über die hier besonders häufigen Aufführungen - bis einschließlich 1824 sollen es 70 gewesen sein - rühmten sie im 18. Jahrhundert als »erhabenes Meisterstück«, im frühen 19. Jahrhundert als »unsterbliches preußisches Nationalwerk« und noch 1869 als »unvergängliches Meisterwerk«.

Vor allem widmete sich ihr die 1791 gegründete Singakademie. Diese brachte den »Tod Jesu« bis 1884 über 75mal zu Gehör, mit Ausnahme der Zeit zwischen 1858 und 1866 meist am Karfreitag.

Sehr oft erklang »Der Tod Jesu« außerdem in einer der Berliner Kirchen. Die beiden Organisten O. F. G. Hansmann und J. Schneider hatten in ihren 44 Aufführungen zwischen 1806 und 1867 nach eigener Angabe 90 bis 100 000 Besucher. Bedenkt man, daß in dieser Zeit die Singakademie das Werk mindestens ebenso oft darbot - und zwar, wie die Kritiken mehrmals betonen, vor »zahlreichem Publikum« und im »überfüllten Saal« - und daß es auch in Konzerten anderer Gesangvereine usw. zu hören war, so kann man etwa ermessen, wie sehr der »Tod Jesu« von den Berlinern geschätzt wurde.

Durch die Drucklegung der Partitur im Jahre 1760 begünstigt, fand die Kantate bald eine weite Verbreitung, vor allem im Norden und Nordosten Deutschlands. In vielen Orten hatte sie wenigstens für eine Zeit den Vorrang vor anderen Passionskompositionen, in mehreren Städten ergab sich sogar eine ähnliche Tradition wie in Berlin. Besondere Popularität genoß der »Tod Jesu« bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus in Breslau und Königsberg, in zwei Städten, in denen Bachs »Matthäuspassion« bereits kurze Zeit nach ihrer Wiederentdeckung erklang und sich als Altenative anbot.

In Breslau gab man aber für lange Zeit Grauns Passion vor allen anderen Möglichkeiten den Vorzug; sie erklang hier seit 1762 und anscheinend bis 1900 fast regelmäßig. Einige Bürger hatten sogar in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Stiftungen ausgesetzt, um die jährlichen Darbietungen zu sichern.

In Königsberg, wo man die Kantate 1812 schon »seit 50 Jahren fast jährlich« aufführte, sorgte vor allem der aus Berlin stammende Musikdirektor J. F. Riel für zahlreiche Wiederholungen.

Weitere Aufführungen gab es unter anderem in Danzig, Stralsund, Lübeck, Flensburg, Hamburg, Bremen.