aktuelles Projekt

Henry Purcell: "The Fairy Queen" (1695)

Konzert:
1994
in der Neubaukirche Würzburg


Monteverdichor Würzburg
Würzburger Barockensamble
Leitung: Maria Scharnagl und Markus Detterbeck

Doris Döllinger (Sopran)
Maria Hiefinger (Alt)
Christian Mücke (Tenor)
Answer Sobtzick (Baß)

Henry Purcell (1659-1695) war Chorknabe an der Chapel Royal in London. Nach seiner Tätigkeit als Orgelstimmer und Kopist an der Westminster Abbey wurde er zunächst dort zum Organisten ernannt, 1682 dann als Organist an die Chapel Royal berufen. Neben der Komposition geistlicher Werke gehörte zu seinen Amtspflichten als königlicher Musiker auch die Komposition von Oden und Festmusiken zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Einzügen der königlichen Familie. Werke dieser Art nahmen den größten Teil seiner schöpferischen Tätigkeit von 1680-1695 ein, der Hauptteil seiner Kompositionen für das Theater fällt erst in die Jahre 1689-1695.

Purcell ist eine einzigartige Gestalt in der englischen Musikgeschichte. Sein Schaffen war einerseits von der Achtung vor überlieferten Formen und gleichzeitig von der lebendigen Anteilnahme an Neuentwicklungen geprägt, und er erzielte in Melodik, Harmonik und Rhythmik eine ihm ganz eigene Verfeinerung. Der mitunter kühnen Harmonik ist seine Neigung zu ungewöhnlichen Fortschreitungen zu entnehmen, die sich zumeist aus der ganz individuellen Behandlung der einzelnen Stimmen ergeben.

Purcell gilt als Meister der Kontrapunktik und auf dem Gebiet der Textbehandlung und des vokalen Ausdrucks blieb er unter den englischen Komponisten unerreicht. Allein die Zeitumstände verhinderten, daß er zum Begründer einer englischen Schule für Oper wurde.

Das Stück: »The Fairy Queen«

Die Uraufführung der Fairy Queen fand am 2. Mai 1692 im Queen's Theatre, Dorset Garden, London, wahrscheinlich als Geburstagsgeschenk für Queen Mary statt. Es handelt sich um eine Bearbeitung von Shakespeares Ein Sommernachtstraum "mit Liedern, Tänzen und Bühnenmaschinerie dazwischen, nach Art einer Oper". Die Frage nach dem Autor des Librettos konnte bis heute nicht geklärt werden, möglicherweise stammt es auch von Betterton.
The Fairy Queen (in der Produktion des ausgehenden 17. Jahrhunderts) erforderte ein großes Aufgebot an Sängern und Instrumenten für die sorgfältig ausgearbeiteten Ensembles und besaß insofern eine entfernte Ähnlichkeit mit der gleichzeitigen französischen Oper. Sie konnte aber nicht wirklich als Oper bezeichnet werden, da ihre eigentliche Handlung nicht die Musik, sondern der gesprochene Dialog vermittelte.
Der Schriftsteller Roger North hat vermutlich das Wort "Semi-Oper" geprägt, um derartige Zwittergebilde zu beschreiben. Er berichtet, daß sie "zwar Opern genannt wurden, Halbopern aber eine passendere Beschreibung gewesen wäre, denn sie bestanden zur Hälfte aus Musik und zur anderen Hälfte aus gesprochenem Wort".
Tatsächlich lassen sich die Semi-Opern sehr gut ohne die gesprochenen Teile aufführen, da die Gesangspartien vorwiegend in sich abgeschlossenen Szenen bilden. Sie scheinen in dieser Form auch in den neu eingerichteten öffentlichen Konzerten um 1690 und während eines Großteils des 18. Jahrhunderts vorgetragen worden zu sein.

Purcell's Musik wurde in den 90er Jahren zunehmend italienischer, aber dabei nicht weniger französisch. Die Musik der Fairy Queen reicht von Tänzen im Stil Lockes über französische Arien und Chöre, die sich an Tanzformen anlehnen, bis zu italianisierenden Trompetensonaten und dramatischen Rezitativen..
(nach J.E. Gardiner und Peter Holman)

Inhalt des Stückes

Wie schon erwähnt, ist "The Fairy Queen" eine Adaption von Shakespeare's " A Midsummer Night's Dream". jedoch ist von dem ursprünglichen Text nichts übrig geblieben. ln den fünf Szenen wird immer der Feenkönigin Titania Verehrung zuteil. Sie allein erfährt die Schmerzen und Triumphe der Liebe, und die sich gegenüberstehenden Kräfte -Chaos und Harmonie- erkennen ihre königliche Gegenwart an.

1. Akt: Titania, die vor ihrem eifersüchtigen Ehemann Oberon auf das Land geflüchtet ist, weist die Feen an, ihren indischen Edelknaben zu unterhalten und jeden Sterblichen, der diese Spiele stören sollte, zu blenden, herumzuwirbeln und zu zwicken. Dies sollen sie solange tun, bis der Störenfried seine Sünden bekennt. Das 'Opfer' ist bald in Form eines betrunkenen Dichters gefunden. Sie lassen erst von ihm ab, als er gesteht, er sei ein Trunkenbold und außerdem ein miserabler Dichter.

2. Akt: Nach einem Streit mit Oberon verwandelt Titania den Wald in ein phantastisches Traumland. Die Feen unterhalten sie, bis Titania wünscht, in den Schlaf gesungen zu werden. Zu diesem Zweck erscheinen vier allegoriscbe Figuren -die Nacht, das Geheimnis, die Verschwiegenheit und der Schlaf-, die mit Unterstützung der Feen Titania's Wunsch erfüllen. Während die Begleiter der Nacht um die schlafende Titania tanzen, wird sie von Oberon mit einem Zauber belegt.

3. Akt: Titania hat sich in den eselsköpfigen Bottom verliebt. Um ihm zu gefallen, verzaubert sie die Szene in einen mächtigen Wald mit Schwänen auf dem durch den Wald fließenden Fluß. Die Schwäne verwandeln sich alsbald in tanzende und von der Liebe singende Feen und Faune, die später jedoch von vier wilden grünen Männern vertrieben werden.
Dann tritt der Hirte Coridon mit seiner Gefährtin Mopsa auf, von der er einen Kuß 'rauben' möchte.

4. Akt: Oberon erweckt Titania und Bottom von ihrer Verzauberung und bittet die Feenkönigin um Musik. Diesmal wählt sie als Hintergrund einen Garten mit Wasserspielen bei Sonnenaufgang. Phoebus erscheint auf einer Wolke und begrüßt -zusammen mit den vier Jahreszeiten- den neuen Tag, der zugleicb Oberon's Geburtstag ist.

5. Akt: Diesmal greift Oberon in die 'Trickkiste', um ein einer bevorstehenden Doppelhochzeit angemessenes Ambiente zu schaffen - Juno in einem von Pfauen gezogenen Himmelswagen und einen paradiesiscben chinesischen Garten. Ein großes Ballett und ein Freudenchor beschließen das Spektakel.