aktuelles Projekt

Joseph Marx "Ein Neujahrshymnus" und "Herbstchor"

Konzerte:
Samstag, 12. Februar 2011 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg
Sonntag 13. Februar 2011 um 17:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg
Chor Flyer

Der Monteverdichor präsentiert im Februar 2011 eine Welterstaufführung! Der "Neujahrshymnus" des österreichischen Komponisten Joseph Marx war, nachdem das gesamte Orchestermaterial verloren gegangen war, nur noch auf einer Tonspur erhalten. 2004 begann die österreichische Joseph Marx Gesellschaft mit der Rekonstruktion der Orchesterfassung, die nun erstmalig durch den Monteverdichor Würzburg aufgeführt wird. Mit Unterstützung der österreichischen  Joseph Marx Gesellschaft wird der Monteverdichor Würzburg den chor-symphonischen Neujahrshymnus (Welterstaufführung) und den Herbstchor an Pan (Deutsche Erstaufführung) in der Stadt Würzburg zum erklingen bringen. Zu den Konzerten  in Würzburg werden die Vorstandsmitglieder der Joseph Marx Gesellschaft Herr Berkant Haydin und Herr Stefan Esser persönlich aus Österreich anreisen.

Video vom Konzertabend:



Einführungsveranstaltung zu den Werken:

"Komponisten erklären ihre Werke - Welterstaufführung in Würzburg"

11.02.2011, 19:00 Uhr - 21:00 Uhr

Veranstaltungsort: Würzburg, St. Burkardus-Haus (am Dom), Am Bruderhof 1

Veranstalter: Katholische Akademie Domschule, Monteverdichor Würzburg

Referenten:

Heinz Werner Zimmermann (*1930), Komponist

Berkant Haydin und der Komponist Stefan Esser, Vorstandsmitglieder der österreichischen Joseph-Marx-Gesellschaft

Anmeldung Einführungsveranstaltung: Kath. Akademie Domschule, anmeldung@domschule-wuerzburg.de, Telefon: 0931/38664500, Konzertkarten: Platzkarten beim Musik- und Pianohaus Deußer, Karmelitenstraße 34, Würzburg, Tel.: (0931) 80 4747 555

Joseph Marx

Der 1882 geborene Joseph Marx wird als Mittzwanziger zum Doktor der Philosophie und gleichzeitig mit weit über 100 Liedern, die er größtenteils in seiner Studentenbude in Graz komponiert hat, zunächst in Österreich und später auch in ganz Europa und in den USA schlagartig berühmt. Als Liedkomponist wird er zum rechtmäßigen Nachfolger von Hugo Wolf. 1914 übersiedelt er von seiner Heimatstadt Graz nach Wien, wo er Professor an der Wiener Musikakademie und später Rektor der von ihm gegründeten ersten Hochschule für Musik wird.

Er unterrichtet in den folgenden vier Jahrzehnten über 1300 Studenten aus aller Herren Länder, berät als erster westlicher Künstler 1932-33 im Auftrag Atatürks bei der Reorganisierung des türkischen Konservatoriums und Musiklebens nach europäischem Vorbild und nimmt als Musikkritiker und -funktionär beträchtlichen Einfluss auf das österreichische und mitteleuropäische Musikleben.

Marx, in dessen Brust zwei Seelen schlagen – die des leidenschaftlich-rebellischen Künstlers und die eines hochintellektuellen Wissenschaftlers und Pädagogen –, genießt einen internationalen Ruf als von der Avantgarde gefürchtete Galionsfigur der tonalen Musik Österreichs. Mit Ausnahme des Zweiten Weltkriegs, in dem er aller seiner Ämter enthoben ist, wirkt Marx bis zu seinem Tode am 3. September 1964 als Würdenträger und Vorsitzender zahlreicher Musikinstitutionen.

Der Komponist hinterlässt neben Liedern, Kammer-, Klavier- und Orgelmusik effektvolle Orchesterwerke, die einst von den großen Dirigenten seiner Zeit gespielt wurden (Wilhelm Furtwängler, Karl Böhm, Hans Swarowsky u.a.), nach seinem Tode jedoch fast völlig in Vergessenheit gerieten. Dies gilt auch für ein halbes Dutzend Chorwerke des Komponisten, die für mehrere Jahrzehnte aus den Programmen verschwunden waren. Erst heute, über 40 Jahre nach seinem Tod, erfreut sich seine Musik dank dem Einsatz der 2006 gegründeten Joseph-Marx-Gesellschaft einer internationalen Renaissance.

Nachdem Marx sich 1910 inmitten seiner Liederphase mit dem „Morgengesang“ für Männerchor und Orgel dem Chorschaffen zugewandt hatte, komponierte er 1911 den „Herbstchor an Pan“, eine 20-minütige, prunkvolle Kantate, bei der es sich – was man als Hörer kaum glauben mag – um das erste Orchesterwerk des Komponisten handelt. Mit der für seine erst viele Jahre später entstandenen, reinen Orchesterwerke typischen, üppigen Besetzung, hier mit der Orgel sowie einem Knabenchor zusätzlich zum gemischten Chor angereichert, vertonte Marx im „Herbstchor an Pan“ ein Gedicht von Rudolf Hans Bartsch in einem außerordentlich opulenten, spätromantisch-impressionistischen Stil, wie er beispielsweise auch in den zur selben Zeit entstandenen „Gurreliedern“ von Arnold Schönberg zu entdecken ist.

Herbstchor an Pan

Melodische Kantilenen, spannende harmonische Wendungen und ein auf maximale Klangwirkung ausgelegter, polyphoner Orchestersatz prägen den „Herbstchor an Pan“, in dem das metaphysische Naturerleben des Komponisten in der Steiermark in einen mythologischen Kontext eingebunden ist und die Jahreszeiten den ewigen Kreislauf vom Werden und Vergehen des Lebens widerspiegeln.

Nach der Entstehung dieser Kantate, die in vielen Teilen Europas aufgeführt wurde, verging interessanterweise fast ein Jahrzehnt, bis Marx sich als Komponist erstmals wieder des Orchesterapparates bedienen sollte. So entstanden ab 1919 zahlreiche Orchesterwerke, von denen das „Romantische Klavierkonzert“, die „Natur-Trilogie“ sowie die monumentale „Herbstsymphonie“ aus dem Jahre 1921, die einen weiteren Höhepunkt seines Schaffens bildet, zu erwähnen sind.

Ein Neujahrshymnus

Bereits zu Beginn seiner o.g. Lehrtätigkeit in Wien im Jahr 1914, schuf Marx das Chorwerk „Ein Neujahrshymnus“ für Männerchor und Orgel. Der Text, den der Komponist selbst verfasst hat, könnte somit durchaus als sein persönliches „Gebet“ für den Erfolg seiner neu beginnenden Karriere in Wien interpretiert werden. 1950 wurden Teile dieser Komposition in einer von Marx autorisierten, von Filmmusikarrangeuren geschaffenen Bearbeitung für gemischten Chor und Orchester als Titel- und Abspannmusik des Nachkriegsdramas „Cordula“ (u.a. mit Paula Wessely) verwendet.

Inspiriert durch die Tonspur des Films, außer der es keinerlei Material zu diesem Arrangement von 1950 mehr gibt, entschlossen sich Stefan Esser und Berkant Haydin (Joseph-Marx-Gesellschaft) im Jahre 2004 zu einer vollständigen Bearbeitung der aus dem Jahr 1914 stammenden Marxschen Originalpartitur des „Neujahrshymnus“ für Männerchor und Orgel. Sie hielten sich dabei streng an die typische Instrumentierung und die klanglichen Mittel, die Marx in seinen späteren Orchesterwerken immer wieder verwendet hat. So entstand als Hommage an diesen bedeutenden Komponisten eine Fassung für gemischten Chor und Orchester, deren Uraufführung von Matthias Beckert und dem Monteverdichor Würzburg präsentiert wird.


* * *

Herbstchor an Pan (Text: Rudolf Hans Bartsch):

Willst du es nicht glauben,
Daß noch Sonnenreich auf Erden ist?
Seele! Seele!
Mitten in den reifen Trauben?
Unter reifen Trauben?
Und horchst du nicht ins Land hinein,
Sie knarren und stampfen und pressen Wein.
                                                                    
La ...
Frist haben wir, nur mehr Frist.
Du: deine Tage zähle!
 
Der große Flurgott, trunken und schwer,
Raunte sich schaurig in Schlaf,
Bis heute ein Tag, hochlodernd und hehr,
Seine Träume mit Lichtstrahlen traf.
Es fuhr ein Wind von Südwesten daher,
Da brannte der Wald wie ein Abendmeer
Und Leben und Werden
Ist wieder auf Erden;
Es spielen die flitternden Birken voll Gold,
Es kichert der Bach, der die Kiesel rollt:
Erring' es dir, Seele,
Und deine Tage zähle!
Ah!

Grämlich dahinter
Dehnt sich der große Pan
Und weil ihm noch vom Reife fror:
"Ist noch nicht Winter?
Windräder sprechen empor?"
Nein, du müder Flurgott; nein!
Es brach noch einmal das Glück herein
Und Tage voll köstlichem Sonnenschein
Wie Angst um Liebe, die treulos wird sein,
Festhaltende, bebende
Angst um das Lebende!

Eilfertig prasseln die Windräder auf,
La ...
Dann rieselt im goldnen Flitterlauf
Von dem blauen, blauen Himmel
Das flüchtige Blattgewimmel.
So tanzen, noch neckend, die Elfen zur Ruh'.

Zur Ruh' ... Und du? ... Zur Ruh!
O großer Pan, was soll noch werden
Nach all' dem Trug dieser Erden?
Frieren wird alles und alles wird Stein.

Kehr in dich! Kehr ein!
Und laß des Sommers Übermut
Und diese Tage voll Sorge und Gut
Und des Winters strafende Stille
Und des Frühlings ahnende Fülle
Ein Einklang sein!
 
* * *
 
„Ein Neujahrshymnus“ (Text: Joseph Marx):

Herr! Herr, O Herr!
Du hast mich reich gemacht
in deiner ew'gen Gnade.
Du gabst die Jugend mir,
Du gabst den Frühling mir,
der die Erde schöner macht,
und fülltest mich mit Liebe.
Du gabst die Sehnsucht mir,
die Seligkeit der Fernen,
ein ungestüm' Verlangen
nach Mehr und immer Mehr!

Auf daß mein Leben voll sei
des ungemeß’nen Glückes
Eins zu sein mit dir und deinem Werke.

Ich weiß, ich hab' gesuchet und gefehlet,
weit ist der Weg zu dir und mir!

Oft rauschte es im Walde meiner Sehnsucht
so seltsam ungeduldig
schon nach fernen Erden,
daß ich den Weg verlor.

Stürme brausten,
weit ist der Weg zu dir!

Abgründe riefen mich,
und Irrlichtern gleich tanzten
ungestüme Wünsche aus dem Dunkel,
das endlos mich umdrohte.     

Und doch hast du mich geliebet,
und den rechten Weg geführet.

Herr, O Herr!
Gib auch im neuen Jahr
dein Segnen wunderbar,
auf daß mein Lebensgarten
schön und reich erblühe.
Schenk' mir die Freude,
schick' auch den Schmerz,
damit ich dich erkenne.

O mach' mich besser,
O mach' mich stärker,
O mach' mich größer,
O mach' mich gläubig stark

und gut in meinem Wollen!
Mach' mich stark!
Mach' mich gut!
O Herr, erhöre mich,
Mach' mich stark in meinem Glauben,
O Herr!