aktuelles Projekt

William Walton: "Belshazzar s Feast"

Konzerte:
Samstag, 07. Februar 2009 um 20:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg
Sonntag, 08. Februar 2009 um 17:00 Uhr
in der Neubaukirche Würzburg

Pressestimmen: Monteverdichor auf neuen Pfaden

Aufnahme vom Konzertabend:
Videobeitrag

Chor Flyer
Im Februar 2009 wird der Monteverdichor Würzburg mit der Aufführung des gewaltigen Oratoriums "Belshazzar's Feast" von William Walton wieder seine enorme Leistunsstärke unter Beweis stellen und das Publikum begeistern.

Das berühmte Werk für Doppelchor und großbesetztes Sinfonieorchester wird erstmalig in der Universitätss- und Bistumsstadt erklingen! Der Monteverdichor, hochkarätige Solisten und die Mainphilharmonie mit ihren professionellen Instrumentalisten aus ganz Deutschland präsentieren damit wieder einen überreginalen Konzertevent, der aufhorchen lässt.

Belshazzar's Feast - William Walton

Oratorium für Bariton solo, Doppelchor und Orchester in drei Teilen.

Text von Osbert Sitwell, aus dem Alten und Neuen Testament, basierend auf der Handlung des Buches Daniel, Kapitel 5.

'Thus spake Isaiah!' - 'Also sprach Jesaja!' Diese ersten drei Worte von Walton’s bemerkenswertem Oratorium werden, jedes einzeln für sich, herausgeschrien und gehen dem Zuhörer durch Mark und Bein. Und sofort wird klar, dass es sich bei Belshazzar’s Feast nicht um ein gewöhnliches Chorwerk handelt. Die Schilderung von Belshazzar’s Abstieg ist spannend, erschreckend, inspirierend und erhöhend. Wenn man dieses Werk einmal gehört hat wird man immer daran denken!

Die biblische Geschichte von Dekadenz und Hibris bildet den idealen Hintergrund für Walton’s monumentalen Filmmusik-Stil. Mit seiner Musik zu 'Henry V' schuf er später einen der grössten Film-Soundtracks aller Zeiten und erlangte damit grossen Ruhm.

Die Handlung: Weil König Nebukadnezar glaubte, er stehe über der Macht Jehovas, musste er sieben Jahre lang für seine Sünden büssen und Gras essen. Schliesslich konnte er seine Schuld abtragen, indem er demütig vor Gott sein Haupt neigte und dessen Führung als die einzig Richtige anerkannte.

Nebukadnezar sagte den Untergang seines Sohnes Belshazzar voraus, welcher Babylonien ab 561 vor Christus regierte und ein ausschweifendes Leben führte. Eines Nachts veranstaltete Belshazzar ein riesiges Fest. Die Tische waren dekoriert mit Silberwaren, die sein Vater aus dem Tempel Jerusalems gestohlen hatte. Die geladenen Schmeichler und Prostituierten des Königs assen und tranken daraus. Beim Höhepunkt des Gelages geschah etwas sehr Gespenstisches. Eine körperlose Hand erschien und schrieb vier Wörter an die Wand:

Mene mene tekhel upharsin
’Du wurdest gewogen und für zu leicht befunden’

Daniel, ein gefangener Jude, der göttliche Zeichen deuten konnte, sagte Belshazzar, dass er Gott beleidigt habe und sein Königreich verlieren werde. Im Gegensatz zu seinem Vater erfuhr er keine Gnade. Er wurde in der selben Nacht ermordet und sein Königreich ging über in die Hände von „Cyrus von Mede“, welcher die Juden später befreien sollte.

Walton's Orchester ist mächtig, mit vielen Schlag- und Rhythmus-Instrumenten bestückt und verfügt über zwei Bläser-Besetzungen. Der Chor singt oft alleine und bringt dadurch seine beissenden Worte umso klarer herüber.

Im ersten Teil verkünden die Posaunen (welche die Stimme Gottes darstellen) Jesaja’s Prophezeiung des Untergangs der Juden. Die musikalische Sprache ist, wie so oft im Werk, starr und aggressiv dissonant. Die Juden beklagen sich mit einem erschütternden und zugleich sanften Motiv im Satz „an den Wassern zu Babel“ über ihr Exil und die Sklaverei. Es dient gleichzeitig der Schilderung des babylonischen Gewässers als auch der Klage der Juden. Der Bariton-Solist drückt das Sehnen der Juden nach Jerusalem aus und deren Verpflichtung, diese Erinnerung und Sehnsucht zu pflegen.

Die Prophezeiung von Babylons brutalem Fall wird, vom gesamten Orchester und dem Chor, durch eine entsprechende musikalische Intensität dargestellt. Sie endet in einem langen Diminuendo, welches in den Worten mündet: „und es sollte überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden.“

Der zweite Teil erzählt vom grossen Fest, welches mit dem unbegleiteten Bariton-Rezitativ beginnt. Es ist gleichsam eine Aufzählung des Ruhmes und des Reichtums der Stadt Babylon. Gottes Zorn über die Entweihung des heiligen Silbers ist unverkennbar in den lauten Blechbläsern, welche dem Chor antworten und veranschaulichen, dass aus den heiligen Gefässen getrunken wurde.

Belshazzar, welcher durch den Bariton verkörpert wird, ignoriert alle Warnungen und im Laufe des Gelages beginnt der Lobgesang auf alle Götter ausser Jehova. Der Chor, welcher diese ausschweifenden Zechbrüder vertont, fährt mit der Lobpreisung fort. Schliesslich kulminiert das Fest in einem ekstatischen, überdrehten und heidnischen Tanz.

Gottes Zorn ist wiederum in den Bläser-Harmonien hörbar, als die Freunde des Königs blasphemisch Belshazzar zum König der Könige ausrufen. Und als sie ausrufen, „er will ewig leben,“ weissagen die gebrochenen, absteigenden Harmonien im Orchester das Gegenteil, nämlich den Fall von Babylon.

Als Erinnerung an Jesaja’s Prophezeiung des Verderbens – mit welchem das Oratorium begonnen hat – erklingt wieder das gleiche Thema in den Posaunen.

Dieses Mal steht es für die Verdammung des Königs durch Gott mit dem Zeichen: „Du wurdest gewogen und für zu leicht befunden.“ Die Juden feiern Gott im Schluss-Satz mit Freudenrufen und dem gesamten Orchester. Ihre Feier wird unterbrochen durch eine Besinnung über Gottes Gericht.

Daraus kristallisiert sich schlussendlich die Triebkraft für die finale Lobpreisung, mit welcher das Oratorium endet.
Text-Quelle: http://www.arscantata.ch/pdf/belshazzar_handlung.pdf

Video vom Konzertabend: