Ein Klangerlebnis der besonderen Art

Rezension: Hector Berlioz: Requiem

Monteverdichor Würzburg führte monumentales Requiem in der Neubaukirche auf

„Einen Apparat an 450 Musikern, davon 200 Sänger, auf einem in Stufen ansteigenden Gerüst platziert, ein Hauptorchester und vier Fernorchester, ausgestattet mit 38 Blechbläsern und 16 Pauken“, so hatte sich Hector Berlioz die perfektionierte musikalische Besetzung in der Uraufführung seines monumentalen Requiems vorgestellt.

Nun war es nicht der Invalidendom in Paris an dem das Requiem am Freitag den 15. und Samstag den 16. Juli erklang, sondern unsere geschätzte Neubaukirche in der Altstadt. Es war auch nicht die Uraufführung des Werkes, sondern eines von fünf Projekten des Würzburger Monteverdi Chores in diesem Jahr. Und was ebendieser unter der Leitung von Matthias Beckert und in Zusammenarbeit mit den Thüringer Symphonikern und dem Tenor Michael Siemon am vergangenen Wochenende präsentierte, war ein Klangerlebnis der besonderen Art. „Besonders“ schon allein deswegen, weil der Monteverdi Chor mit Einstudierung dieses Chorwerkes dem Würzburger Publikum in einer beinahe ausverkauften Erstaufführung bieten konnte. Besonders aber auch aus dem Grund, dass diese Komposition Berlioz' einfach voller Überraschungen steckt. Die Vorfreude vor jeder dieser effektvollen Stellen, war den engagierten jungen Sänger und der Instrumentalisten anzusehen und machte auch den Reiz dieser Aufführung aus.

Das Publikum war beispielsweise wie gebannt bei dem überraschenden Einsatz der Bläsersignale, die aus alles Ecken der Neubaukirche gelungen die von Berlioz erhoffte Stimmung des „jüngsten Gerichts“ im „Dies irae“ vertonten. Visuell und vor allem klanglich eine grandiose Nutzung des Raumes! Auch der plötzliche Stimmungswechsel von einem in Trauer schwelgenden „Quid sum miser“ in ein feierlich- festliches „Rex tremendae“ gelang den Musikern unter Matthias Beckert eindrucksvoll. Ein weiterer Höhepunkt in dem 90-minütigen Programm stellte das zarte, instrumental sehr reduzierte „Sanctus“ dar, bei dem Solotenor Siemon die Zuhörerschaft in seinen Bann zog bevor der Chor zum finalen, opulenten „AgnusDei“ anstimmte. Ein hohes musikalisches Niveau, dass sich im Zusammenspiel von Dirigent, Orchester und Chor, der Umsetzung der räumlichen Effekte, und dem insgesamt frischen, vollen Klangerlebnis wiederspiegelt wurde kombiniert mit der Freude junger Menschen am Musizieren. Diese Mischung verhalf den Musikern zu einer wirklich erfolgreichen Würzburger Erstaufführung.

 ... wobei der Aspekt, dass dieses sehr anspruchsvolle Werk von einem Chor, der überwiegend aus Studenten (in der Prüfungsphase) besteht, während des regulären Unibetriebs und parallel zu weiteren Projekten einstudiert wurde, noch gar nicht erwähnt wurde!


Autor: Anna Strugalla