Naturgewalten in musikalischem Gewand erstmalig in Würzburg

Rezension: Ralph Vaughan Williams: "A Sea Symphony"

Mit Ralph Vaughan Williams "A Sea Symphony" präsentierte der Monteverdichor Würzburg in der Neubaukirche wieder eine Erstaufführungen in der Domstadt. Vier hochkarätige Solisten aus ganz Deutschland und die Mainphilharmonie Würzburg bereicherten die außergewöhnlichen Konzerte in denen auch Leoš Janáceks "Glagolitische Messe" zu hören war. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Dirigent und Chorleiter Matthias Beckert.

Beide Kompositionen inspirieren sich am Eindruck der unermesslichen Kraft der Natur und der Schöpfung. Bei Ralph Vaughan Williams ist es der unendliche Ozean, bei Leoš Janáček ein mächtiges Gewitter, das die schöpferische Kreativität der Komponisten beflügelt.

Die "Sea Symphony" ist Ralph Vaughan Williams größte Symphonie - ein gewaltiges Chorwerk über den Ozean und das Meer der Zeit, der Unendlichkeit, der Menschheit. Der Umfang übersteigt jede Chorkomposition, an die sich der Komponist zuvor gewagt hatte. Es mutet wie eine bitterböse Ironie des Schicksals an, dass Vaughan Williams während einer Arbeitspause um ein Haar im Meer ertrunken wäre. Nach seiner wunderbaren Errettung vollendete er seine Symphonie – authentischer denn je.

Bei der von Vaughan Williams selbst dirigierten Uraufführung der “Sea Symphony“, wurde er nach eigenem Bericht, als das Orchester die ersten Akkorde intonierte und das "Behold, the sea itself" des Chores im Fortissimo einsetzte, beinah vom Dirigentenpult geweht, so beeindruckend war die Lautstärke. Und dieser wahrhaft umwerfende Effekt stellt sich unfehlbar noch jedes Mal ein, wenn die "Sea Symphony", von Blechbläser-Fanfaren festlich eröffnet, zum Aufbruch in ferne, unermessliche Sphären des Geistes ruft.

Solch ein Effekt war auch in der Neubaukirche zu erleben, nicht nur in der fanfarenartigen Eröffnung des Stückes. Rauschender, wogender Jugendstil voller üppig-spätromantischer Klänge umfasste die gesamte Räumlichkeit. Beindruckend war, mit welcher Intensität Chor und Orchester dieses fast anderhalbstündige Werk mit seiner hymnischen Botschaft durchhielt.

Janáčeks "Glagolitische Messe" ist rhythmischer, aber auch von einem tiefen Geist inspiriert und von einem nationalen Selbstbewusstsein, verwendete er hier doch nicht die offizielle lateinische Sprache, sondern das alte Kirchenslawisch -mit seiner ungewohnten Artikulation eine beachtliche Herausforderung für jeden Chor.

Janáček schrieb sie 1926 im Alter von 72 Jahren. Das Werk ist ein Hymnus auf die geistigen Quellen des Slawentums wie eine  Verherrlichung des Lebens und der Natur. Mit diesem Meisterwerk ist dem Komponist sein Opus summum gelungen. Die Aufführung verlangt neben einem großem Chor und Solisten ein gewaltiges Orchester mit Harfen, Celesta und großer Orgel und großbesetzten Chor.