Wie liegt die Stadt so wüst

Rezension: Gedenkkonzert zum 16. März: John Rutter "Requiem"

In der voll besetzten Augustinerkirche erinnerte die Stadt mit einem überwältigend gestalteten Gedenkkonzert an die Zerstörung am 16. März 1945. Der Ökumenische Hochschulchor führte mit dem Kammerorchester der Mainphilharmonie unter der Leitung von Matthias Beckert als größeres Werk John Rutters "Requiem" auf, im Umfeld die ergreifende Komposition "Wie liegt die Stadt so wüst" des ehemaligen Dresdner Kreuzkantors Rudolf Mauersberger, den in fünf Gruppen im Kirchenraum verteilten Chor "Komm süßer Tod" von Knut Nysted und Francis Poulencs das "Priez pur paix".

Mendelssohns "Denn er hat seinen Engeln" sangen die Frauenstimmen in engelsgleicher Reinheit und Klarheit. Die Männerstimmen ergänzten den Chor zu einer faszinierend vollkommenen a-capella-Kultur, die durch größtmögliche Disziplin der sprachlichen Prägnanz, durch gepflegtes Stimmmaterial, durch äußerste Homogenität und durch die in höchstem Maße ausdrucksvolle Versenkung in die von Trauer und Hoffnung erfüllten Texte beeindruckte.

Das hellwache Engagement und das intensive Aufgehen in die von hohem Ernst erfüllten Chorkompositionen zeichneten die Aufführung dieser stark besinnlichen, jedoch auch bis zur Emphase ausbrechenden Interpretationen aus. Rutters Requiem beflügelt durch seinen melodischen Erfindungsreichtum, der seiner Musik eine suggestive Kraft verleiht. In jedem Teil dieser Trauermusik weisen Elemente auf zurückliegende Epochen hin, weshalb der englische Komponist als Zeitgenosse des 20. Jahrhunderts in keine dissonanten Extreme verfällt.

Rutter hält sich nicht an den üblichen Ablauf der Totenmesse, wie sie in der katholischen Liturgie festgelegt ist, sondern modifiziert sie, indem er wesentliche Teile um Texte aus dem "Book of Common Prayer" der anglikanischen Kirche ergänzte.

Mit blühend reiner und zu Herzen gehender Stimme sang Alexandra Steiner die schlichten Sopranpartien im "Pie Jesu" und "Lux aeterna". Aus dem kleinen Orchester gingen die solistischen Vorgaben von Maria Friedrich (Cello), Andreas Mildner (Harfe), der mit sensiblem Einfühlungsvermögen Benjamin Brittens "Hymn St. Denio" spielte, von Simon Tischler (Flöte), Emin Curtgeafar (Oboe), Dominik Lemmerich (Pauke) und Stephanie A. Carr-Lemmerich (Schlagwerk) angenehm ins Ohr, nicht zuletzt der sanft zeichnende Klangteppich der Orgel mit Christian Bischof am Spieltisch.

Die Ausdrucksskala des Ökumenischen Hochschulchors reichte von der ganz innig und leise vorgetragenen Gesangskunst bis zum festlich kraftvollen Frohlocken des Hosanna im "Sanctus". Ein erhebendes Konzert auf beachtlichem Niveau.


Autor: Dr. Klaus Linsenmeier