Wenn das "Amen" an Verdi erinnert

Rezension: Antonín Dvorák: "Stabat mater"

Das Publikum applaudierte noch, als schon der letzte Sänger des Ökumenischen Hochschulchores das Podium verlassen hatte – zu Recht. Denn, ohne die Leistungen von Solisten und Orchester schmälern zu wollen, die tiefsten, die bezauberndsten, aufregendsten Eindrücke bei der Aufführung von Antonín Dvoráks „Stabat mater” gingen vom Chor aus.

Man könnte nun die Liste von wünschenswerten chorischen Tugenden wie Homogenität, Intonationssicherheit, Flexibilität, Kraft, Fähigkeit zur Versenkung in tragfähiges Pianissimo und vieles andere aufzählen – die waren alle vorhanden. Aber bei diesem Konzert war es eben noch mehr: Das eindrucksvolle, zwingende Gestalten des Gegensatzes zwischen sinfonischer Steigerung und ruhig-böhmischer Musiksprache. Da darf das „Eia, mater, fons amoris” durchaus ein wenig nach Schubert klingen und das „Amen” sogar an Verdi erinnern, aber es wirkt immer stimmig.

Sieben der zehn Sätze dieses Werkes sind mit „Andante” überschrieben, die übrigen mit noch langsameren Bezeichnungen. Trotzdem klingt unter dem Dirigat von Matthias Beckert nichts langatmig oder gar langweilig.

Beckert lässt spannend musizieren, feuert die Mainphilharmonie Würzburg zu machtvollen Ausbrüchen an, entlockt ihr auch klangliche Delikatesse, wenn das auch nicht immer ganz gelingt wie in den leisen verschwebenden, an das Lohengrin-Vorspiel erinnernden D-Dur-Harmonien am Schluss.

Im Solistenquartett begeisterte vor allem der Tenor Robert Morvai mit seiner Strahlkraft, aber auch im volkstümlich-schlichten „Fac me verum flere” im Dialog mit dem Männerchor durch hinreißende Pianissimo-Töne. Die Altistin Kathrin Hildebrand gefiel mit ihrer Kraft und schönen Tiefe im Ensemble, ihre Arie „Inflammatus et accensus” wurde zu einem Meisterstück leidenschaftlich-schmerzlichen Ausdrucks.

Auch der Bassist Thomas Hamberger konnte im feierlichen Gebet „Fac ut ardeat cor meum” seine nobel geführte Stimme im Wechsel mit den wunderschönen Frauenstimmen zur Geltung bringen und Lydia Zborschil setzte den Ensembles mit ihrem hellen, leuchtenden Sopran Glanzlichter auf.


Autor: Dr. Armin Rausche